Büsumer Krabben – eine Spezialität mit langer Geschichte

Büsum und die Krabben gehören zusammen wie Ebbe und Flut. Kaum ein anderes Produkt steht so sehr für den Charakter des Ortes: bodenständig, norddeutsch, direkt aus dem Meer. Was heute als überregionale Spezialität gilt, hat Wurzeln, die Jahrhunderte zurückreichen.

 

Von der Gliep zum Krabbenkutter

Garnelen – im Volksmund schlicht „Krabben" genannt – galten lange als Armeleute-Essen. Wer früher am Wattenmeer lebte und etwas zu beißen brauchte, griff zur sogenannten Gliep: ein Schiebenetz, das an einem Rahmengestell mit Stiel befestigt war. Frauen und Kinder schoben dieses Netz durchs flache Wasser oder in die Priele des Wattenmeeres, um die Krabben vom Grund aufzuscheuchen. Mühsame Arbeit für einen kleinen Zusatzverdienst – und doch der Anfang einer langen Tradition.

Der erste urkundliche Hinweis auf den gezielten Krabbenfang in Büsum stammt aus dem Jahr 1624. Noch bis ins 19. Jahrhundert spielte er in der Küstenfischerei eine Nebenrolle. Das änderte sich an der Wende zum 20. Jahrhundert grundlegend: Mit der Motorisierung der Fischerboote und der besseren Anbindung der Häfen an das Eisenbahnnetz wuchsen Fangmengen und Bekanntheitsgrad der Büsumer Krabben rasch. 1898 wurde die Büsumer Fischereigesellschaft gegründet.

Ein technisches Schlüsselwerkzeug dieser Ära war die holländische Baumkurre – ein System, bei dem rechts und links vom Boot je ein Schleppnetz über den Meeresgrund gezogen wird. Das ermöglichte nahezu gleichmäßige Belastung des Kutters und einen beidseitigen Fang bei voller Fahrt. Die Fangmenge stieg damit auf fast das Doppelte.

Der größte Krabbenkutterhafen der Westküste

Büsum beheimatet heute den größten Krabbenkutterhafen an der gesamten deutschen Westküste. Allein im Jahr 2024 wurden hier 1.865 Tonnen Krabben angelandet. Wer am Fischereihafen entlangschlendert, erlebt das aus nächster Nähe: Die bunten Kutter laufen ein und aus, der Fang wird direkt an der Kaimauer gelöscht, und fangfrische Krabben lassen sich dort noch am selben Tag kaufen. Der salzige Geruch nach Meer und frischem Fang, das Tuckern der Motoren, das Möwengeschrei – das ist das Büsumer Hafengefühl in seiner ursprünglichsten Form.

Weniger Kutter, aber mehr Volumen

Die Zahl der aktiven Büsumer Krabbenfischer ist in den vergangenen Jahrzehnten deutlich zurückgegangen. 1948 waren noch 136 Kutter registriert, 1973 noch 75, 1998 noch 34, und 2008 nur noch 20. Viele Kutter, die heute im Büsumer Hafen liegen, kommen aus Friedrichskoog oder den Niederlanden. Den Krabbenmarkt dominieren inzwischen zwei niederländische Großunternehmen – Heiploeg und Klaas Puul –, die zusammen bis zu neunzig Prozent des Handels kontrollieren. Echte Büsumer Händler sind hingegen Gustav Rentel, Krabben-Kock und Büsumer Feinkost in Marne.

Die Vermarktung der angelandeten Krabben läuft über die Erzeugergemeinschaft der Deutschen Krabbenfischer GmbH (EzDK) mit Sitz in Cuxhaven, die Siebstellen unter anderem in Büsum betreibt.

Nachhaltig zertifiziert

Seit Dezember 2017 ist die Nordsee-Krabbenfischerei in Deutschland, Dänemark und den Niederlanden gemeinsam MSC-zertifiziert. Der Marine Stewardship Council würdigte damit den Schritt einer der letzten großen europäischen Fischereien ohne gesetzliche Fangquote hin zu einem kontrollierten, nachhaltigen Umgang mit den Krabbenbeständen und dem Lebensraum Wattenmeer.

Krabben pulen – eine Kunst für sich

Wer schon einmal selbst Hand angelegt hat, weiß: Das Pulen ist eine Geduldsfrage. Beim Hafenbummel mit Momme Claußen, dem Büsumer Wattenpräsidenten, können Gäste genau das lernen – und erfahren dabei gleichzeitig eine Menge über die Geschichte des Hafens, der Fischerei und des Ortes. Wer tiefer einsteigen möchte, findet im museum am meer umfassende Informationen zur Krabbenverarbeitung und zur Entwicklung der Büsumer Fischerei.

Die Krabben kaufen – direkt am Hafen

Das Beste zum Schluss: Fangfrische Krabben lassen sich direkt vom Kutter am Fischereihafen kaufen. Büsumer Krabben auf dem Brötchen, mit Meeresblick und Hafenluft – das ist Nordseeurlaub in seiner einfachsten und schönsten Form.